Das R├Ątsel der verschwundenen Burg,  ├ľffnet einen externen Link in einem neuen FensterArtikel MOZ vom 26.3.2010
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Sparkasse unterst├╝tzt die 750 Jahrfeier

Am 6. Januar 2010 wurde im Rahmen einer Pressekonferenz vom Vor-standsvorsitzenden der Sparkasse Oder-Spree, Friedrich Hesse, der Sponsorvertrag zur Unterst├╝tzung der 750 Jahrfeier der Stadt M├╝llrose an die Amtsdirektorin Amt Schlaubetal, Ilka Matuschke und an den eh-renamtlichen B├╝rgermeister der Stadt, Ingomar Friebel, ├╝bergeben.

Mit dem Sponsorvertrag ist die Sparkasse Oder-Spree Hauptsponsor des Jubil├Ąums, das von den B├╝rgerinnen und B├╝rgern der Stadt M├╝llro-se und ihren G├Ąsten am Pfingstwochenende, vom 21. bis 24. Mai 2010, gefeiert wird.

Matuschke bringt ihre Freude ├╝ber die finanzielle Unterst├╝tzung der Sparkasse zum Ausdruck, zu deren H├Âhe vereinbarungsgem├Ą├č aber keine Auskunft gegeben wird. ÔÇ×Verraten kann ich aber, dass die Hilfe der Sparkasse es erm├Âglicht, ÔÇ×Carmina BuranaÔÇť mit der Singakademie Frankfurt (Oder) am Freitag, dem 21. Mai 2010, auf der Seeb├╝hne auf-zuf├╝hren und ÔÇ×Peter Schilling mit BandÔÇť nach M├╝llrose zu holen. Dieses Konzert findet am 22. Mai 2010 statt, so Matuschke.
 
Hesse stellt heraus, dass sich M├╝llrose in den zur├╝ckliegenden Jahren sehr positiv entwickelt hat. M├╝llrose wird im Volksmund nicht umsonst ÔÇ×eine Perle der NaturÔÇť genannt. ÔÇ×Deshalb unterst├╝tzen wir diese Feier sehr gern und freuen uns nicht nur auf die vielen Veranstaltungen, die an diesem langem Pfingstwochenende geplant sind, sondern auch auf den Festumzug, an dem sich unsere Sparkasse nat├╝rlich beteiligtÔÇť, teilt Hesse im Rahmen der Pressekonferenz mit. Herr Hesse ist sich mit der Amtsdirektorin Frau Matuschke und mit dem ehrenamtlichen B├╝rger-meister der Stadt M├╝llrose einig, dieses Fest wird die bisherigen Veran-staltungen hier in M├╝llrose bei weitem ├╝bertreffen.

Damit die 750-Jahrfeier auch anschlie├čend noch lange in der Erinne-rung aller Besucher bleibt, wird die Sparkasse zus├Ątzlich zu ihrem En-gagement einen M├╝nzstand betreiben, an dem Interessenten selbst ihre Gedenkm├╝nze pr├Ągen k├Ânnen.

Ihre Sparkasse Oder-Spree.Gut f├╝r die Region

Frankfurt (Oder), 6. Januar 2010
Ansprechpartner/Pressesprecher
Holger Swazinna Tel.: 0335 5541-1110; Fax-1215
e-mail: H.Swazinna(at)s-os.de 
internet: www.s-os.de

Historische Ereignisse der Vergangenheit und Gegenwart

 

Historische Ereignisse der Vergangenheit und Gegenwart
750 Jahre Stadt M├╝llrose
1260 - 2010

Aus Anlass der 750 Jahre Stadtrecht von M├╝llrose werde ich bis zur Festwoche 2010 regelm├Ą├čig Artikel zur Geschichte unserer Stadt ver├Âffentlichen.
Mein Anliegen ist, die B├╝rger unserer Stadt und der angrenzenden Gemeinden mit besonderen Abschnitten der langen  und wechselvollen Stadtgeschichte vertraut zu machen. 
In diesem Jahr j├Ąhrte sich im Mai zum 64. Mal das Ende (8.5.1945) des Zweiten Weltkrieges. Es gibt in der Gegenwart nicht mehr viele M├╝llroser, die die Tage vor und nach der Besetzung M├╝llroses, am 24. April 1945, durch sowjetische Truppen selbst erlebten. Es gibt auch bei Berichten dieser jetzt schon im fortgeschrittenen Alter sich befindenen B├╝rger nicht immer ├╝bereinstimmende Aussagen. Herr Georg Schmidt stellte im Rahmen der 750-Jahrfeier zur Geschichte M├╝llroses Aufzeichnungen seines Vaters Gerhard Schmidt zwecks Ver├Âffentlichung f├╝r die Leser des Schlaubetal-Kuriers zur Verf├╝gung. Von der Redaktion des Schlaubetal-Kuriers herzlichen Dank.

K. Wolfert


ÔÇ×Kriegsende in M├╝llroseÔÇť 1944 bis 1945
Tagebuchnotizen meines Vaters Gerhard Schmidt, zusammengestellt von Georg Schmidt
Mein Vater Gerhard Schmidt leitete zusammen mit meinem Gro├čvater Max Schmidt die M├╝llroser M├╝hle in der schwierigen Zeit des Zweiten Weltkrieges. Er hat Tagebuch gef├╝hrt
und so Ereignisse festhalten, die sonst verloren gegangen w├Ąren.
Mit der auszugsweisen Ver├Âffentlichung m├Âchte ich dazu beitragen, die Geschichte M├╝llroses und seiner M├╝hle lebendig zu halten
ÔÇ×Der 17. Mai war ein herrlicher, strahlender Vorsommertag. Wir feierten den 75. Geburtstag von Vater (Kommerzienrat Max Schmidt). Jetzt im Kriegsjahr 1944, zu der Zeit als die Gro├čst├Ądte schon schwer besch├Ądigt waren, wirkte das gro├če und gepflegte Elternhaus(die vor wenigen Jahren abgerissene Fabrikantenvilla und sp├Ąteres Kinderheim in der Seeallee) fast unwirklich in seiner Sch├Ânheit, Ruhe und Sicherheit. Hier in M├╝llrose war wirklich noch tiefer Frieden!
Aber die Stimmung war schon ernst und sorgenvoll. Der Russe stand an der Weichset, und ein Durchbruch bis zur alten und gut befestigten Reichsgrenze bei Bentschen lag im Bereich der M├Âglichkeit. An einen bis zur Oder vorgetragenen Angriff dachte man dagegen nicht in seinen k├╝hnsten Tr├Ąumen.
Am Nachmittag kam zur Gratulation Direktor Temme von der Dresdner Bank. Es wurden auch die sich eventuell aus der Gef├Ąhrdung Frankfurts f├╝r die Bank ergebenden Folgen angesprochen. Herr Temme wies auf die Gesamthaftung der Bank hin und teilte vertraulich mit, dass die Filiale im schlimmsten Fall verlegt werden w├╝rde. So verblieben die Konten der M├╝hle bei der Dresdner Bank.
Der Sommer verlief ohne besondere Ereignisse in M├╝llrose, nur die Luft-alarme h├Ąuften sich. Geschwader von einigen hundert Bombern ├╝berflogen am Tage das St├Ądtchen. Kaum heulten die Sirenen, so stoben in wilder Flucht die Schulkinder aus der Schule an der M├╝hle vorbei. Die M├╝tter holten die Kleinen aus dem Kindergarten. Fast Nacht f├╝r Nacht stand ich auf, um zum Luftschutz in die M├╝hle zu gehen. Ganz hell war dann der Himmel ├╝ber Berlin erleuchtet, und bei Westwind h├Ârte man das Rollen des Flakfeuers. Berlin starb.
Auf M├╝llrose wurden nur zwei Bomben abgeworfen. Eine Bombe fiel nachts auf das Speerlager. Eine andere fiel aus einem gro├čen Geschwader in die N├Ąhe eines am Waldrand stehenden deutschen Flugzeuges.
Die Stimmung war gedr├╝ckt, aber an einen Vormarsch der Russen bis zur Oder oder gar bis zur Elbe glaubte wohl niemand. Die l├Ąndlichen Schl├Âsser Brandenburgs waren voller zus├Ątzlich aus den Gro├čst├Ądten nach dort verlagerten Kostbarkeiten. Ins Elternhaus und zu uns (heute Seeallee 18) hatten Verwandte Sachen gebracht. Tante Grete hatte nach und nach fast ihre gesamte Habe nach M├╝llrose geschafft. Ihre Wohnung in Berlin blieb erhalten, ihre Sachen in M├╝llrose gingen verloren.  Im Oktober fuhr ich noch nach Posen, um Freunde zu besuchen. Auch dort hielt man sich noch nicht f├╝r unmittelbar gef├Ąhrdet. Es herrschte strenges Verbot, irgendwelche Sachen aus Posen fortzuschaffen.
Im Oktober wurde auch der Volkssturm in M├╝llrose gegr├╝ndet. Der Ortsgruppenleiter setzte Volksversammlung an im Speerlager. Meine vorhandene Erk├Ąltung steigerte sich und ich verzog mich ins Bett. Dem Volkssturm entkam ich nat├╝rlich nicht. Es kam Musterung auf polizeilichem Wege. Immerhin machte mich dann der Ortsgruppenf├╝hrer zum stellvertretenden Bataillonsf├╝hrer. Ich hatte aber zun├Ąchst nicht viel zu tun, als sonntags mit dem Bataillonsf├╝hrer auf dem Fahrrad auf die D├Ârfer zu fahren und zu besichtigen.
Dann kam Weihnachten heran, die Kinder freuten sich. Sonst aber waren alle in gedr├╝ckter Stimmung. Auch die Ente wollte nicht schmecken. Aus fremden Sendern h├Ârten wir, da├č die Russen Deutschland bis zur Elbe besetzen wollten. Dies war so ungeheuerlich, da├č nur wenige Menschen es sich vorstellen konnten. Das w├Ąre das Ende! Dann kam das Jahr 1945. Es ging alles sehr schnell. Am 12. Januar begann die russische Offensive, in ihrer Bedeutung in den ersten Tagen von der Bev├Âlkerung nat├╝rlich nicht erkannt.
Am 20. Januar trafen die Schwiegereltern aus Magdeburg mit gro├čem Gep├Ąck in M├╝llrose ein in der Hoffnung, dort eine ruhige Zeit zu verleben. Aber um diese Zeit war schon zu erkennen, da├č Frankfurt in Gefahr war. Aber niemand durfte ├Âffentlich die Bef├╝rchtung aussprechen, da├č das Ende nahe war. Die Witterung war winterlich.
In M├╝llrose war noch nichts zu bemerken von dem drohenden Ereignis. Nur die Ger├╝chte wurden immer bedrohlicher. Posen eingeschlossen. Und dann kamen die ersten fl├╝chtenden Truppen durch. Anfangs nur Luftwaffe, Polizei, dann auch Heer. Wilde Ger├╝chte kamen aus Frankfurt. Ganz Posen war voll mit Kinderlagern. Nun kamen die Kinder zur├╝ck auf offenen Loren, zum Teil erfroren. Es m├╝ssen traurige Tage auf dem Frankfurter Bahnhof gewesen sein.
Und dann kamen die Fl├╝chtlingstrecks. Niemand wird dieses Ger├Ąusch der Tag und Nacht durchziehenden Wagen je vergessen.
Vater und ich fuhren nach Frankfurt. Die Stra├čen verstopft mit Milit├Ąr und Fl├╝chtlingen. In Frankfurt Panik, Verst├Ârtheit. Eben war der R├Ąumungsbefehl f├╝r Frauen und Kinder gekommen. Innerhalb von 24 Stunden. Die Post war geschlossen, ebenso die Banken. Die ersten Selbstmorde Frankfurter B├╝rger wurden bekannt.
Was sollten wir machen in M├╝llrose? Wohin sollte Lotte (meine Mutter) und die Kinder. Womit sollten sie fahren und wie sollte es vor sich gehen? Die Lastwagen waren beschlagnahmt und durften ohne Fahrbefehle nicht ausfahren. Jede Flucht der Bev├Âlkerung war streng verboten. Bei all diesem immer die Panik. Ger├╝chte von entsetzlichen Grausamkeiten kamen aus den Gebieten ├Âstlich der Oder. Selbstmord war ein h├Ąufiges Thema in diesen Tagen. Die ├ärzte verschrieben jede Menge Tabletten f├╝r den Notfall.
In M├╝llrose erschien als erstes Zeichen, da├č wir Front waren, ein Ortskommandant, Oberstleutnant vom Heer, im Beruf Oberregierungsrat beim Rechnungshof. Dann Feldgendarmerie und eine Aufkl├Ąrungseinheit der Organisation Todt. Schon im Januar erreichten die Russen die Oder und ├╝berschritten sie bei Reittwein und Buschm├╝hle. Sie standen nur noch 8 km von M├╝llrose entfernt.
Frankfurt wurde von Truppenresten gehalten, die sich dorthin gefl├╝chtet hatten. Zwischen M├╝llrose und der Oder stand kein deutscher Soldat mehr.
Die Fl├╝chtlingsz├╝ge hatten aufgeh├Ârt. Ein Verlassen von M├╝llrose war streng verboten. Die einzige M├Âglichkeit bestand mit einem Auto des Speerlagers. Ihre Fahrbefehle wurden anerkannt von der Gendarmerie. Die Verhandlungen mit der Leitung des Speer-lagers f├╝hrten zu keinem Erfolg, da die Herren das durch das Fortgehen der Familie bedingte Aufsehen f├╝rchteten. Auch die F├╝hrungsmannschaft des Speerlagers durfte M├╝llrose nicht verlassen. Das war aber nicht so schlimm, denn f├╝r sie waren im Not-fall immer Autos fahrbereit. Wenige Tage sp├Ąter war ich wieder im Lager. Ich wollte versuchen, wenigstens f├╝r meine Schwiegerel-tern, die die letzten Tage in M├╝llrose zu Besuch waren, Pl├Ątze zu bekommen unter dem Vorwand, da├č mein Schwiegervater als aktiver Beamter seinen Dienst in Hannover wieder aufnehmen mu├čte. So gelang es mir, zwei Pl├Ątze zu bekommen. Die Mitnahme von Lotte und den Kindern wurde abgelehnt. Gegen 14 Uhr kamen die Fahrer, um Bescheid zu sagen. Gegen eine Geldsumme und Mehl erkl├Ąrten sie sich bereit, auch diese mitzunehmen zu ihrer Schwester nach Magdeburg. Gegen 20 Uhr kam dann der gro├če Lastzug, der Fahrr├Ąder in den Westen transportieren sollte und die Familie fuhr ab.
An diesem Abend fing es an zu tauen. Die Russen kamen nicht. Langsam wurde in M├╝llrose eine Front aufgebaut aus Truppen-resten und Rekruten. Vaters Haus wurde zun├Ąchst nicht belegt, zu mir kamen gleich nach Lottes Abreise die Reste einer Heer-espanzerdivision und das Ausbildungsbattallion I.R. 9, mit ganz jungen Rekruten, Kinder. Niemand der Einquartierten war felddi-enstf├Ąhig.

M├╝llrose f├╝llte sich langsam mit Soldaten, wurde Etappe. Sonst blieb es erstmal ruhig. So konnten wir noch Mutters Geburtstag (14. Febr.) unter gewohnten Verh├Ąltnissen feiern. Ich wurde nun haupts├Ąchlich in Anspruch genommen durch den Volkssturm. Eines Tages, es war ein sch├Âner Sonntag, drohte mir Gefahr. Ich wurde aus der M├╝hle angerufen, sollte sofort kommen. Dort traf ich einen SS Sturmf├╝hrer, der mich drohend fragte, ob ich Sabotage betreiben wollte, in dem ich den Russen Vorr├Ąte an Mehl in die Hand spielen wollte. Der Vorwurf war eine heikle Sache in diesen dunklen Tagen. Die Sabotage bestand nach Meinung des Sturmf├╝hrers, der sich als R├Ąumungsoffizier ausgab, darin, da├č wir nicht am Sonntag gemahlen h├Ątten und ├╝berhaupt gro├če Vorr├Ąte h├Ątten. Nun war die Sache so, da├č wir kein besonderes Interesse hatten, schnell abzumahlen und dann stehenzubleiben, da eine mahlende M├╝hle sicherer war als eine stehende, und nach dem Stillstand w├Ąre die Belegschaft automatisch zum Volkssturm eingezogen worden. Da├č diese Politik richtig war, hat sich sp├Ąter herausgestellt. Nach der ersten Erregung wurde der Mann ruhiger, zwang uns aber die M├╝hle sofort anlaufen zu lassen.
Nat├╝rlich war alles scharf auf Autos. Besonders SS-Offiziere fuhren durch die Gegend, um Autos zu requirieren. Einen Offizier nach seiner Berechtigung zu fragen, war lebensgef├Ąhrlich. Einen neuen Opelkapit├Ąn verteidigten wir lange, mu├čten ihn dann aber abgeben, Ungl├╝ckliche sollten durchgebrochene Panzer mit Personenwagen verfolgen und dann mit Panzerf├Ąusten abschie├čen. In der Garage stand noch ein ganz neuer F├╝nftonner Laster, auf Holzgas umger├╝stet. Den wollten wir benutzen, um im Notfall die letzten in M├╝llrose verbliebenen Frauen und Kinder abzufahren.

Nachdem die R├Ąumung abgeschlossen war, kam die L├Ąhmung. Sie war der Ausdruck f├╝r die Demontage von lebenswichtigen Teilen von Fabriken, so da├č sie den Russen nicht in die H├Ąnde fielen. Kisten sollten angefertigt werden, um im Notfall die Walzenst├╝hle zu verpacken und ins Hinterland abzufahren. Gegen Ostern erschien ein Offizier mit ernstem Gesicht und teilte mit, da├č auf F├╝hrerbefehl im Notfall alle Werke zu sprengen seien. Hoffmann (der Prokurist) und mir blieb die Spucke weg. Es war ja auch wenig zu sagen.

Vertraulich wurde mir einige Tage sp├Ąter aber mitgeteilt, da├č gar nicht viel Sprengstoff vorhanden sei, und da├č man ihn zun├Ąchst f├╝r milit├Ąrische Zwecke nutzen wolle, Sprengung von Br├╝cken und reichseigenen R├╝stungsbetrieben. So war ich in dieser Hinsicht beruhigter.
Auch zur Demontage wichtiger Maschinenteile ist es nicht mehr gekommen.

In M├╝llrose wurde ein Festungsbaustab gegr├╝ndet, um die Stadt auf die Nahverteidigung vorzubereiten. Es kamen Hunderte von russischen Kriegsgefangenen zum Graben.
Eines Tages klingelte bei mir das Telefon und ein Sturmf├╝hrer in S.A. Uniform ├╝berbrachte mir die Nachricht des Kreisleiters, nach dem ich den Befehl ├╝ber den Volkssturm zu ├╝bernehmen hatte.
Nachdem die Eltern (Max und Katharine Schmidt) nach Chemnitz abgereist waren, bekamen wir einige Tage sp├Ąter unsere Dauereinquartierung, die schon erw├Ąhnte Panzerj├Ągerabteilung. Ich freundete mich sehr mit dem Kommandeur an. Herr M├╝ller hatte Mitleid mit mir. Er war von der Ruhr. Ihm k├Ânne nichts passieren, sie s├Ą├čen auf der Kohle.

Die Schwierigkeit bestand f├╝r ihn darin, die Ruhr zu erreichen. Der Fluchtweg war gut vorbereitet. Leider hat es dann nicht ganz geklappt. Er ist am Fleckfieber gestorben im Lager Cottbus. Mit diesem sehr netten Herrn verlebte ich dann die letzten Wochen.ÔÇť
Hier endet der Bericht meines Vaters. Bekannt ist, da├č kurz bevor die Russen nach M├╝llrose kamen, der Volkssturm aufgel├Âst wurde und mein Vater sich zu Fu├č nach Treseburg im Harz durchschlug, wo seine Familie inzwischen untergekommen war. Am 23. April gegen 9 Uhr wurden die Kanalbr├╝cken gesprengt. Danach r├╝ckten die Wehrmachtsverb├Ąnde ab. Die letzten verlie├čen um 20 Uhr die Stadt. Am 24. April um 6 Uhr gelangten die ersten sowjetischen Soldaten ├╝ber die nur teilweise zerst├Ârte Br├╝cke in die menschenleere Stadt.
M├╝llrose ist weitgehend von Zerst├Ârungen verschont geblieben. Der Kirchturm wurde von einer Granate getroffen. Die Uhr blieb stehen und hielt noch viele Jahre die genaue Zeit des Einschusses fest.

Die M├╝hle wurde noch bis zum Schlu├č betreut und bewacht, so da├č keine Pl├╝nderungen auftraten. Insbesondere wurden die so wertvollen ledernen Treibriemen gerettet, ohne die ein Betrieb lange Zeit nicht m├Âglich gewesen w├Ąre. Auch die Russen waren vorbereitet. Sie sicherten sofort die M├╝hle und bewachten sie, bis drei Tage nach dem Einmarsch meine Gro├čeltern (Max und Katharina) zur├╝ckkamen.

Die M├╝hle konnte dann durch Max sofort wieder in Betrieb genommen werden und mahlte in den ersten Jahren ausschlie├člich f├╝r die russische Armee, die den Betrieb auch beaufsichtigte. Dazu war ein Russe namens Parche Menkow abgestellt, mit dem man gut zusammenarbeiten konnte. Mein Vater lebte inzwischen mit unserer Familie im Westen. Sein Bruder Adolf kam aber bald aus der Kriegsgefangenschaft zur├╝ck. Max und Adolf haben die M├╝hle bis zur Enteignung 1953 geleitet.



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