M├╝llrose- Herkunft und Bedeutung des Namens

Der Milorad

N├Ąheres zur Herkunft und Bedeutung des Namens unserer Stadt zu erfahren ist nicht nur Anliegen vieler B├╝rger, auch Touristen m├Âchten daf├╝r eine Erkl├Ąrung. "Da die bis zum 4. Jh. andauernde germanische Besiedlung nur in den Flu├čnamen, aber nicht in den Ortsnamen Spuren hinterlassen hat, wird deren erste breite Schicht von westslawischen, d.h. altpolabischen und altsorbischen Namen gebildet. Sie zeugen von den seit dem 6./7. Jh. in die sp├Ątere Mark Brandenburg eingewanderten Slawen. Es ├╝berwiegen dabei die von Personennamen abgeleiteten Ortsnamen und die Naturnamen, die nach geographischen Gegebenheiten, Eigenschaften, Gestalt und Aussehen der Landschaft sowie nach der Tier- und Pflanzenwelt gegeben wurden, gegen├╝ber den Kulturnamen, die auf die T├Ątigkeit des Menschen hinweisen."1

Im 12. Jh. ging die slawische Zeit zu Ende. Die slawischen St├Ąmme konnten den konzentrierten Angriffen der westlich von Elbe und Saale kommenden F├╝rsten, Adligen nicht mehr widerstehen. Die deutsche Ostsiedlung und der mit ihr verbundene Landesausbau schufen eine neue Kulturlandschaft mit anderen Strukturen. Diese Kolonisation des 12. und 13. Jahrhunderts ist fast ├╝berall in den Ortsnamen zu sp├╝ren. Wir erkennen sie in den Orten, die nach einem Mann mit einem deutschen Personennamen benannt sind, in der Regel derjenigen Person, die den Siedlungsvorgang, die Anlage eines Dorfes organisiert hat, der Lokator.

Neue Ergebnisse in der Namensforschung
In den letzten Jahrzehnten haben namhafte Wissenschaftler der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin und am Institut f├╝r Slawistik der Uni. Leipzig namenkundliche Forschung erfolgreich betrieben. Ohne diese sprachwissenschaftlichen Untersuchungen w├╝ssten wir wenig oder nichts ├╝ber die slawisch-deutschen Mischnamen, also Ortsnamen, die mit einem slawischen Personennamen als Bestimmungsort gebildet wurden. Sie beweisen das Zusammenleben von Slawen und Deutschen in der Kolonisationszeit und die Beteiligung von Slawen am Landesausbau unter deutscher Herrschaft. Die sprachlichen Ver├Ąnderungen der Namen zu deutscher Zeit belegen das lange Weiterleben der slawischen Sprache und damit auch der slawischen Bev├Âlkerung. Erw├Ąhnenswert ist: die Namensforschung hat in den letzten Jahrzehnten so gro├če Fortschritte gemacht, so dass manche Erkl├Ąrungen in den ├Ąlteren Werken korrigiert werden mussten. Herr Andreas Teltow, Leiter unseres Heimatmuseums von 1980 - 1986, schrieb im Mai 1985 zur bevorstehenden 725-Jahrfeier unserer Stadt: "Vom Namen M├╝llrose und seiner Bedeutung: "Wer den Namen der fast 725j├Ąhrigen Stadt zum ersten Mal h├Ârt, ger├Ąt sicher unwillk├╝rlich ins Schmunzeln. Er enth├Ąlt in poesievoller Form scheinbar Unvereinbares, das leichthin als M├╝lldeponie mit darauf befindlicher Rose gedeutet werden kann. Dem ist aber nicht so, ebenso, wie der Name, was an sich logisch erschiene, nicht von der seit Jahrhunderten hier bestehenden M├╝hle abgeleitet wurde. Wir m├╝ssen alte Urkunden zu Rate ziehen, um zu erkennen, da├č der Name der Stadt im Verlauf der Zeit immer wieder Ver├Ąnderungen unterworfen war". Teltow bezieht sich dann auf Trebbin, der in seinem Buch "M├╝llrose..., Neuauflage Seite 17, M├╝llrose mit "kleine Furt" ├╝bersetzt. Eine an sich logische und nicht nur bei vielen M├╝llrosern popul├Ąre Deutung, die mancher M├╝llroser auch bis heute nicht ver├Ąndert wissen will. Teltow dann: "ln j├╝ngster Zeit erfuhr diese Deutung eine andere Interpretation, Prof. Dr. E. Eichler geht in seinen Buch "Ortsnamen der Niederlausitz" (Bautzen 1975) vom altsorbischen Personennamen Milorad aus".

Im "St├Ądtebuch Brandenburg und Berlin" (von 2000) wird die Entwicklung des Namens so dargelegt: 1275 Molrasen,1285 Melraze; 1373 Mulraze, Melrase; 1377 Melratze; 1432 M├Âlrose, M├╝lrose, Milrace; 1448 Melrose; 1558 M├╝llro├č; 1770 M├╝llrose
Dr. Cornelia Willich hat sich als Sprachwissenschaftlerin speziell mit den "Ortsnamen des Kreises Lebus" ( Buch 1995) besch├Ąftigt. Sie erl├Ąutert ( gek├╝rzt): 1448 czur Melose, 1514, zue M├Âllrose,1572 zur M├Âlro├č, ruloradz = Ort bzw. See eines "Milorad" zum Personennamen Milorad (altsorbisch). Also die Ortsbezeichnung M├╝llrose leitet sich vom slawischen Personennamen "Ort bzw. See eines Milorad ab.

Klaus Wolfert

Dr. Reinhard E. Fischer, Akademie der Wissenschaften Berlin, vermittelt in seinem Buch "Die Ortsnamen der L├Ąnder Brandenburg u. Berlin" (2005) in pr├Ągnanter Darstellungsweise zu M├╝llrose: 1275 Molrasen,1285 Melraze,1775 M├╝llrose Slawisch, "Siedlung eines Mannes namens Milorad"

Quellen: - Dr. Fischer, "Die Ortsnamen der L├Ąnder Brandenburg und Berlin" 1, Seite 9, S. 119
Dr. C. Willich, "Die Ortsnamen des Landes Lebus" - St├Ądtebuch Brandenburg und Berlin, 1995 S. 15 und 120
"St├Ądtebuch Brandenbrug und Berlin", 2000, S. 346/47
"Frankfurt an der Oder und das Land Lebus", 2005, S. 173/74


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